DBT Selbsthilfegruppe Duisburg

Entstehungsgeschichte

Von 2005 bis 2007 wurde im Rahmen eines Evaluierungsprojektes des Psychiatrie- und Psychotherapeutennetz Duisburg (PPND) die DBT in Form von ambulant geführten Gruppen praktiziert, die im Sinne der DBT durch Einzeltherapie und einer umfassenden psychiatrischen Versorgung ergänzt wurde.   Logo DBT Während der Projektphase in ambulanter Gruppentherapie des PPND Duisburg wurden ganz konkrete Erfolge bei uns als Patienten messbar: Bei allen 17 Patientinnen aus 2 Gruppen blieb eine stationäre Akut-Behandlung während und im direkten Anschluss an die 2jährige Projektbehandlung gänzlich aus.Die meisten von uns berichteten, dass sich extreme Impuls­durch­brüche während und unmittelbar nach dieser Behandlung deutlich verringert haben. Insofern werten auch wir als Teilnehmer diese ambulante DBT-Behandlung als vollen Erfolg.

Über die DBT Selbshilfegruppe Duisburg

Nach Beendigung des Therapieprojektes Ende 2007 haben wir uns als Patienten dazu entschlossen, die Gruppe mit neuen Ansätzen und angepasster Struktur als konstruktive DBT-Selbsthilfegruppe weiterzuführen. In den Kindheitstagen der Selbsthilfegruppe Ende 2007 war es nach Beendigung des Projektes unter uns Patientinnen nicht besonders einfach, sich auf ein Konzept zu einigen, das sowohl vor dem Hintergrund der DBT als auch im Sinne der Selbsthilfe konstruktiv und durchführbar ist. Insofern wollten wir vermeiden, dass ein einzelner -nicht therapeutisch ausgebildeter- Gruppenleiter die Inhalte der DBT an unerfahrene Borderliner ganz neu vermittelt. Es wäre sicherlich ein Leichtes, wenn ein Laie bzw. nicht einschlägig therapeutisch ausgebildeter Gruppenleiter im Zuge der Selbsthilfe das „Interaktive Skillstraining“ liest und einschlägig studiert, und dessen Inhalte an ungeübte Borderline-Patienten übergibt- was wir insgesamt als ein sehr gewagtes Unterfangen ansehen, da psychotherapeutische Inhalte immer noch Sache von speziell ausgebildeten Therapeuten und Fachleuten ist. Und was schlussendlich auch nicht im Sinne der Selbsthilfe gewesen wäre. Eine solche Herangehensweise kam für uns also nie in Frage. Der Schlüssel zu einem Selbsthilfeangebot, das sich ganz klar am Skillstraining der Dialektisch-Behavioralen Therapie orientieren soll, liegt in der entsprechenden Vorerfahrung der Teilnehmer mit dieser Form der Verhaltenstherapie. Da eine Selbsthilfegruppe dem Grundsatz nach niemals therapeutisch geführt ist, legen wir sehr großen Wert darauf, dass jeder Teilnehmer unserer Gruppe im Vorfeld durch speziell ausgebildete therapeutische Fachkräfte im Sinne der DBT betreut wurde und somit zu einem Experten seiner selbst geworden ist. Wir kennen alle das Problem, dass innerhalb einer fundierten Psychotherapie zunächst einmal große Erfolge beim Einzelnen zu verzeichnen sind – jedoch nach Beendigung einer Therapie viele konstruktive Teile auch wieder sehr schnell dem individuellen Alltag zum Opfer fallen.

Unser Ziel ist es, die in der Therapie erlernten Fertigkeiten im offenen Austausch zu festigen, sie weiterhin in unseren Alltag zu integrieren, um uns so langfristig weiter zu stabilisieren.

Unsere Philosophie stützt sich auf die Tatsache, dass jeder Teilnehmer unserer Selbsthilfegruppe durch seine ureigenste psychotherapeutische Erfahrung ein Experte seiner persönlichen DBT-Erfahrung und somit ein entsprechend konstruktiver und in sich ergänzender Teil der Gruppe ist. Die Voraussetzung der vorangegangenen DBT-Erfahrung haben wir ganz als erstes festgelegt. Ebenso Grundvoraussetzung zur Teilnahme an der Gruppe sind Aufrichtigkeit zu sich selbst und die innere Bereitschaft, destruktives Verhalten positiv verändern zu wollen. Bei Gründung der Gruppe war uns vor allem die Ausarbeitung eines verbindlichen Regelwerks sehr wichtig, das verhindern soll, dass sich einzelne Teilnehmer durch den Austausch gegenseitig hochschaukeln und somit problematische Gefühle antriggern würden. Wir wollen uns in unserer Selbsthilfegruppe gegenseitig stützen, aber auch schützen. Dies klingt zunächst sehr banal und auch einfacher als dies in der Praxis ist. Die Erwartungshaltung, dass jeder schon „irgendwie“ darauf achtet, dass andere im Austausch nicht zu Schaden kommen, erwies sich sehr schnell als Illusion. Gerade Borderline-Erkrankte haben erfahrungsgemäß das Potential, ihre Mitmenschen massiv unter Druck setzen zu können und eine Gruppenstunde zum Wettbewerb der „größtmöglichen“ Krise zu benutzen, wenn keine klaren Regeln formuliert sind. Und gerade Borderliner haben das Potential, auf scheinbar kleine Einflüsse abrupt mit Stimmungsschwankungen, Selbstverletzung oder anders gelagerten Impulsdurchbrüchen zu reagieren. Selbsthilfe soll in unseren Augen konstruktiv sein und soll dabei niemanden in eine Krise stürzen. Insgesamt haben wir uns deshalb für ein Regelwerk entschieden, das sich im Kern an denjenigen Regeln orientiert, die wir bereits aus der DBT-Therapie kennen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass wir als Selbsthilfegruppe ohne professionelle Leitung keine Verantwortung für einen Teilnehmer übernehmen können, wenn er sich in einer akuten, selbstgefährdenden Krise befindet:

Ankündigungen von Suizidabsichten/Eigengefährdung, die durch den Einsatz des Notfallkoffers nicht abgewendet werden können, nehmen wir sehr ernst. Wir werden deshalb den diensthabenden Arzt im Haus sowie die Polizei unterstützend hinzubitten. Es ist der Gruppe nicht möglich, die Verantwortung für den Teilnehmer in einer akuten Krise zu tragen. Diese Situation gab es glücklicherweise noch nie in 4 ½ Jahren unserer Arbeit. Die Abläufe innerhalb der Gruppe sind so geregelt, dass aktuelle Probleme von Teilnehmern stets Vorrang haben und Lösungsansätze durch die therapeutische Erfahrung aller Teilnehmer direkt mit den Grundsätzen der DBT verknüpft werden. Bleibt eine aktuelle Dringlichkeit von persönlichen Konflikten aus (was über das Blitzlicht klar wird), so arbeiten wir direkt konstruktiv und chronologisch im DBT-Programm weiter, damit das Behandlungsprogramm auch nach der therapeutischen DBT-Behandlung ganz konkret weiter präsent ist- somit also weiterhin in den Alltag jedes Einzelnen integriert werden kann.

Kontakt:

Anja Pfeil Hermannstraße 23 47226 Duisburg Telefon (tagsüber): 0176 / 420 735 87 anja.pfeil@dbt-shg-duisburg.de

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